© Sherin Gharib

Flüchtlinge im Libanon – zwischen fragiler Staatlichkeit und informeller Wirtschaft

Gharib

Arbeitspapiere 19.02.2018

Arbeitspapier 99 / Februar 2018

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Zusammenfassung

Die Fluchtbewegungen im Nahen und Mittleren Osten stellen die Staaten dieser Region vor zahlreiche Herausforderungen. Der Libanon zählt mit ungefähr 1.7 Millionen Flüchtlingen weltweit zu den Ländern mit der höchsten Anzahl an Geflüchteten und ist damit immensen sozialen und wirtschaftlichen Hürden ausgesetzt. Seit dem Beginn des Syrienkrieges und der damit einhergehenden Flucht vieler SyrerInnen in den Libanon setzte die Regierung keine langfristigen Maßnahmen. Die anfängliche „open-door“ policy wurde später durch einen restriktiven, sicherheitspolitischen Zugang ersetzt. Schritte, die eine Integration der Flüchtlinge zum Ziel hätten, wurden nicht gesetzt. Stattdessen ist ein unregulierter informeller Markt entstanden, der durch ArbeitgeberInnen und EigentümerInnen dominiert wird und gleichzeitig die Ausbeutung der Arbeitskräfte erlaubt. Basierend auf Interviews und Gesprächen im Rahmen einer Forschungsreise in den Libanon zwischen 25. Oktober und 5. November 2017, setzt sich dieses Arbeitspapier mit den Bedingungen von Flüchtlingen sowie dem informellen Wirtschaftssektor auseinander und stellt dies in den Kontext der fragilen Staatlichkeit Libanons. Der Fokus liegt dabei auf die Rahmenbedingungen für Flüchtlinge.

Abstract

Massive refugee movements pose new challenges to many states in the Middle East. With approximately 1.7 million refugees, Lebanon counts among the states hosting the highest number of displaced persons. At the beginning of the war in Syria, Lebanon first pursued an “open-door” policy towards refugees fleeing the conflict. However, in recent years this has been gradually replaced by a more restrictive, security-based stance towards refugees. The accommodation of such large numbers poses immense social and economic burdens to the small country. The Lebanese government has failed to develop long-term strategies. It has neither implemented instruments nor measures, which aim at integrating or regulating the situation of refugees, neither has the government undertaken steps to integrate them into Lebanese society or the economic market. Instead, an unregulated informal market, dominated by capital and house owners, and with few or no rights for the labor force, has emerged. Based on interviews, talks and insights gained during a field trip to Lebanon between October 25th and the 5th of November 2017, this working paper deals with the social situation of refugees, the emerging informal economic sector and puts these questions in context with Lebanon’s fragile statehood. The focus lies on the livelihood of refugees.