{"id":11248,"date":"2026-07-21T16:43:05","date_gmt":"2026-07-21T14:43:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/news-en\/11244\/"},"modified":"2026-07-21T16:48:08","modified_gmt":"2026-07-21T14:48:08","slug":"endbericht-evaluierung-des-programms-extremismus-macht-schule-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/news-en\/endbericht-evaluierung-des-programms-extremismus-macht-schule-ii\/","title":{"rendered":"Endbericht: Evaluierung des Programms \u201eExtremismus macht Schule II\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das oiip evaluierte mithilfe eines Mixed-Methods-Ansatzes sowohl die angebotenen Workshops als auch das Gesamtkonzept der Extremismuspr\u00e4vention an Schulen zur Vorlage bei den Ministerien.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diese Evaluierung wurde im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung (BMB)\u00a0und des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) erstellt und der Endbericht wurde im Juli 2026 durch das BMB ver\u00f6ffentlicht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Laufzeit: Dezember 2024 \u2013 November 2025<\/strong><\/p>\n<p><strong>Projektleitung: Cengiz G\u00fcnay, Annika Scharnagl, Johannes Sp\u00e4th<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.oiip.ac.at\/cms\/media\/endbericht-evaluierung-extremismuspraevention.pdf\"><strong>ENDBERICHT_Evaluierung_Extremismuspra\u0308vention<\/strong><\/a><\/p>\n<p>1. Executive Summary<br \/>\nDie Initiative Extremismuspr\u00e4vention macht Schule II wurde zwischen September 2024 und September 2025 \u00f6sterreichweit an Schulen und in Arbeitsmarktservice (AMS)-Kursen umgesetzt. Ab Oktober 2025 wird die Initiative unter dem Namen Starke Schule, starke Gesellschaft weitergef\u00fchrt. Ziel ist die St\u00e4rkung demokratischer Kompetenzen sowie die Pr\u00e4vention von extremistischen Haltungen, Kinder und Jugendliche zu sensibilisieren und deren Resilienz auszubauen. Mit 75 zugelassenen Organisationen und 228 Workshop-Formaten z\u00e4hlt die Initiative zu den gr\u00f6\u00dften bundesweiten Bildungsma\u00dfnahmen im Bereich Demokratie und Pr\u00e4vention. Das \u00d6sterreichische Institut f\u00fcr Internationale Politik (oiip) wurde mit der Evaluierung des Programms betraut um Qualit\u00e4t, Wirkung und Umsetzung systematisch zu pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Die Evaluierung zeigt ein stark nachgefragtes und gesellschaftlich hoch relevantes Programm. Insgesamt wurden 9285 Workshops von Schulen und AMS-Kurse angefragt und 5644 durchgef\u00fchrt. Davon fanden 5233 in Schulen und 411 im AMS-Kontext statt. Schulen stellten 94 Prozent der Anfragen. Die buchbaren Angebote lagen mehrheitlich im Bereich Demokratie, Vielfalt und Anti-Diskriminierung w\u00e4hrend spezifischere Angebote zur Extremismuspr\u00e4vention einen geringeren Anteil ausmachten. Diese Verteilung war bedingt durch die Anzahl an eingereichten Workshop-Formaten in den jeweiligen Bereichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Evaluierung wurde ein breites methodisches Design eingesetzt. Es umfasste digitale und analoge Fragebogenerhebungen, teilnehmende Beobachtungen, Kurzinterviews und zwei Fokusgruppendiskussionen. Insgesamt wurden 16687 Frageb\u00f6gen ausgesendet und ge\u00f6ffnet, von denen 14478 abgeschlossen wurden. Hinzu kamen 20 teilnehmende Beobachtungen \u00fcber alle Bundesl\u00e4nder verteilt und 40 Kurzinterviews mit Sch\u00fcler:innen, AMS-Teilnehmer:innen und Lehrpersonen\/AMS-Kursleiter:innen. Zwei digitale Fokusgruppen mit 11 Trainer:innen sowie mit 8 Lehrpersonen und AMS-Kursleiter:innen erg\u00e4nzten die Datenerhebung.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckmeldungen aller Zielgruppen fallen \u00fcberwiegend positiv aus. Lehrpersonen und AMS-Kursleiter:innen vergaben im Durchschnitt 4,6 von f\u00fcnf m\u00f6glichen Punkten f\u00fcr die allgemeine Zufriedenheit mit dem gebuchten Workshop. Sch\u00fcler:innen bewerteten die Workshops im Schnitt mit 3,9 Punkten. AMS-Teilnehmer:innen bezeichneten die Workshops mehrheitlich als wertvoll und vergaben f\u00fcr die Weiterempfehlung des Angebots im Schnitt 4,3 Punkte. Die Befunde best\u00e4tigen zudem die hohe didaktische Qualit\u00e4t der Workshops. Trainer:innen arbeiteten mit vielf\u00e4ltigen und aktivierenden Methoden. Die Workshops wurden als lebensnah, professionell und altersgerecht wahrgenommen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig zeigt die Evaluierung klare Herausforderungen. Einige Workshops waren thematisch zu breit angelegt, wodurch \u00dcberforderung entstand. Heterogene oder sprachlich diverse Gruppen f\u00fchrten zus\u00e4tzlich zu Belastungen f\u00fcr Trainer:innen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine systematische Vor- und Nachbereitung durch Lehrpersonen, insbesondere verpflichtende Vorgespr\u00e4che mit der Trainer:in eine zentrale Bedingung f\u00fcr eine gelingende Einbettung in den Unterrichtskontext darstellt. In der Praxis steht dies jedoch oft im Spannungsverh\u00e4ltnis zu den ohnehin engen Zeitressourcen an Schulen, in denen bereits die Durchf\u00fchrung des Workshops schwer zu organisieren ist. Besonders f\u00f6rderlich f\u00fcr Offenheit und Dynamik im Workshop erwies sich zudem die unterst\u00fctzende und interessierte Pr\u00e4senz der Lehrperson.<\/p>\n<p>Deutlich sichtbar wurde auch, dass das Programm faktisch sowohl prim\u00e4r- als auch sekund\u00e4rpr\u00e4ventiv genutzt wird. In 14 Prozent der F\u00e4lle gaben Trainer:innen konkrete Vorf\u00e4lle als Anlass der Buchung an. Damit \u00fcbernimmt das Programm Funktionen, die \u00fcber seinen urspr\u00fcnglichen Auftrag hinausgehen. Daraus l\u00e4sst sich ableiten, dass Trainer:innen zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzung im professionellen Umgang mit herausfordernden Gruppendynamiken ben\u00f6tigen etwa durch praxisnahe Fortbildungen oder klarere Leitf\u00e4den f\u00fcr Interventionen in provokativen oder diskriminierenden Situationen.<\/p>\n<p>Die nachhaltige Wirkung der Workshops entfaltet sich vor allem kurzfristig und zeigt sich unter anderem in verbessertem Klassenklima und erh\u00f6hter Reflexionsbereitschaft. Langfristige Effekte h\u00e4ngen hingegen stark von der Nachbereitung in der Schule oder im AMS-Kurs ab. Zwar gaben 83 Prozent der Lehrpersonen und AMS-Kursleiter:innen an, den Workshop nachzubesprechen, diese Nachbesprechungen finden jedoch meist informell und ohne systematische Struktur statt. Zwar werden gelegentlich Plakate oder Fact Sheets genutzt, doch w\u00fcnschen sich Lehrpersonen mehr didaktisch aufbereitete Materialien der Anbieter:innen, um Inhalte langfristig zu vertiefen. Einzelne Organisationen bieten bereits wiederkehrende Formate an, die nach einigen Monaten\/im n\u00e4chsten Schuljahr erneut ansetzen. Ein Ansatz, der als besonders wirksam gilt, weil er Lernprozesse stabilisiert und erneute Reflexion erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Auf Basis der Ergebnisse lassen sich folgende strategische Empfehlungen ableiten:<br \/>\n&#8211; Vorgespr\u00e4che zwischen Lehrpersonen und Trainer:innen sollten verpflichtend sein, da sie Passung und Wirksamkeit erh\u00f6hen.<br \/>\n&#8211; Vor- und Nachbereitung des Workshops im Schul- oder AMS-Kontext ist essentiell.<br \/>\n&#8211; Es braucht eine klare Abgrenzung zwischen Pr\u00e4vention und Intervention. Schulen und AMS-Kurse ben\u00f6tigen finanzielle Mittel f\u00fcr professionelle Konfliktintervention, um das pr\u00e4ventive Programm nicht weiter zur Krisenbew\u00e4ltigung zweckzuentfremden.<br \/>\n&#8211; Mehr niedrigschwellige Formate f\u00fcr heterogene Gruppen (z. B. spezielle Angebote f\u00fcr AMS-Ma\u00dfnahmen) sowie modulare Workshopreihen w\u00fcrden die nachhaltige Wirkung deutlich st\u00e4rken.<br \/>\n&#8211; Lehrpersonen sollten gezielt durch Fortbildungen zu politischer Bildung, Medienkompetenz und Konfliktmanagement gest\u00e4rkt werden.<br \/>\n&#8211; Das Entlohnungsmodell sollte angepasst und zus\u00e4tzliche Anreize f\u00fcr Anbieter:innen au\u00dferhalb der Hauptstadt geschaffen werden, um das sp\u00e4rliche Angebot in den Bundesl\u00e4ndern zu erh\u00f6hen.<br \/>\n&#8211; Buchungen sollten bereits f\u00fcr das folgende Schuljahr m\u00f6glich sein, um Workshops fr\u00fchzeitig im Schulrhythmus zu verankern.<br \/>\n&#8211; Trainer:innen ben\u00f6tigen st\u00e4rkere Unterst\u00fctzung im Umgang mit herausfordernden Gruppendynamiken durch praxisnahe Fortbildungen und klarere Interventionsleitf\u00e4den.<\/p>\n<p>In der Gesamtschau zeigt die Evaluierung ein Programm mit hoher gesellschaftlicher Relevanz, das breite Anerkennung erh\u00e4lt und p\u00e4dagogisch wertvolle Impulse setzt. Um die langfristige Wirksamkeit zu sichern, bedarf es jedoch Anpassungen, wie einer st\u00e4rkeren Verankerung im Unterricht durch die Integration in das Unterrichtsfach Demokratiebildung oder der Festlegung von verpflichtenden Unterrichtseinheiten f\u00fcr externe Workshopangebote sowie einer eindeutigen Positionierung der Initiative im (prim\u00e4r-)pr\u00e4ventiven Kontext.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das oiip evaluierte mithilfe eines Mixed-Methods-Ansatzes sowohl die angebotenen Workshops als auch das Gesamtkonzept der Extremismuspr\u00e4vention an Schulen zur Vorlage bei den Ministerien. Diese Evaluierung wurde im Auftrag des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung (BMB)\u00a0und des Bundesministeriums f\u00fcr Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) erstellt und der Endbericht wurde im Juli 2026 durch das BMB ver\u00f6ffentlicht. 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