{"id":2489,"date":"2019-12-12T09:53:12","date_gmt":"2019-12-12T08:53:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oiip.at\/?p=2489"},"modified":"2019-12-12T10:15:05","modified_gmt":"2019-12-12T09:15:05","slug":"literaturnobelpreis-fuer-peter-handke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/news\/literaturnobelpreis-fuer-peter-handke\/","title":{"rendered":"Literaturnobelpreis f\u00fcr Peter Handke"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00d61 Journal Panorama<\/strong><br \/>\n<strong>9.12.2019<\/strong><\/p>\n<p><strong>Peter Handke erhielt Literaturnobelpreis<\/strong><\/p>\n<p class=\"teaserText\">Der Dichter Peter Handke besitzt nun offiziell seine Urkunde und seine Medaille, die ihn als Literaturnobelpreistr\u00e4ger 2019 ausweisen: Der 77-j\u00e4hrige Literat erhielt am Dienstag gegen Ende der feierlichen Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus die beiden Insignien aus den H\u00e4nden des schwedischen K\u00f6nigs Carl XVI. Gustaf.<\/p>\n<p><strong>Diskussion um Peter Handke<\/strong><\/p>\n<p>War die K\u00fcr von Peter Handke eine Fehlentscheidung der Schwedischen Akademie? Ist die Kritik gerechtfertigt oder \u00fcberzogen? Ist Handke ein Opfer von Medienkampagnen? Dar\u00fcber diskutierten im &#34;Journal-Panorama&#34; der Politikwissenschaftler Vedran Dzihic, Bachmann-Preistr\u00e4gerin Maja Haderlap, Germanist Klaus Kastberger und der Kulturwissenschaftler Wolfgang M\u00fcller-Funk.<\/p>\n<p>Am Freitag gab es zum Auftakt der Nobelpreiswoche die Pressekonferenz, am Samstag die Nobelvorlesungen und heute endet der Nobelpreisreigen 2019 mit der Verleihung der Preise durch den schwedischen K\u00f6nig. Seit am 10. Oktober Peter Handke der Literaturnobelpreis 2019 zuerkannt worden ist, rei\u00dfen die Debatten um Handkes proserbische Haltung im Jugoslawien Krieg und seine politischen \u00c4u\u00dferungen nicht ab. Als &#34;Faschist&#34; und &#34;Genozid Leugner&#34; wurde Handke zuletzt bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>Ein &#34;Meinungen \u00e4u\u00dfernder Mensch&#34;<\/strong><\/p>\n<p>Ist die Kritik an Peter Handke gerechtfertigt oder \u00fcberzogen? Spielt das literarische Werk in der emotional aufgeladenen Debatte \u00fcberhaupt noch eine Rolle, und vor allem &#8211; kann man die politischen Ansichten des Autors von seinem Werk trennen? Gerade im Fall von Peter Handke sei das schwierig, meint Politikwissenschaftler Vedran Dzihic: &#34;Weil Handke selbst diesen Anspruch stellt, ein gesellschaftlich denkender und Meinungen \u00e4u\u00dfernder Mensch zu sein.&#34;<\/p>\n<p>Problematisch seien Handkes \u00fcber die Jahre get\u00e4tigten politischen \u00c4u\u00dferungen, von denen er sich nie klar distanziert habe, so der Kulturwissenschaftler Wolfgang M\u00fcller-Funk: &#34;Er hat nie gesagt, dass es ein V\u00f6lkermord war. Ich bin dagegen, diese Dinge kleinzureden, um Handke gro\u00df zu machen.&#34; Vor allem aber, seien diese Haltungen auch in das Werk Handkes eingeschrieben: &#34;Ich freu mich, dass wir uns einig sind, dass das Jugoslawien-Thema ein integraler Bestandteil des Werks ist.&#34;<\/p>\n<p><strong>&#34;Am Markt Authentizit\u00e4t kaufen&#34;<\/strong><\/p>\n<p>Handke beanspruche f\u00fcr sich einen poetischen Wahrheitsbegriff, der aber die faktische Wahrheit ausheble. Ein Punkt, bei dem der Germanist und Leiter des Grazer Literaturhauses Klaus Kastberger noch zustimmte. &#34;Handke ist ein Konservativer, der nach wie vor glaubt &#8211; so wie Goethe im 19. Jahrhundert -, sich auf einem Belgrader Markt Authentizit\u00e4t kaufen zu k\u00f6nnen.&#34;<\/p>\n<p>Allerdings kritisierte Kastberger auch die aus seiner Sicht allzu oft verzerrte und &#34;v\u00f6llig \u00fcberzogene Kritik&#34; an Handke: &#34;Die Wendung Genozid-Leugner ist eine Wendung, die analog zu Auschwitz-Leugner gemacht ist &#8211; und das ist eine Schweinerei.&#34;<\/p>\n<p><strong>&#34;Sich kommentarlos instrumentalisieren lassen&#34;<\/strong><\/p>\n<p>Dabei habe Handke aber in den letzten Wochen sich und sein Werk wiederholt von rechtsnationalen und konservativen Kr\u00e4ften kommentarlos instrumentalisieren lassen, hielt Politologe Dzihic dagegen: Er h\u00e4tte sich erwartet, &#34;dass Handke bei seiner Rede doch einen Satz dazu sagt, und nicht nur emp\u00f6rt ist&#34;.<\/p>\n<p>Immer wieder kreiste die gestrige Diskussion um das Thema der Peripherie in Handkes Werk. Der Autor selbst hatte sich in der Nobelvorlesung auf seine k\u00e4rntner-slowenischen Wurzeln bezogen: &#34;Die fr\u00fchesten Schwingungen oder Schwungkr\u00e4fte kamen nicht von den K\u00fcnsten, sondern bewegten und durchdrangen das Kind, das ich war, mit den slowenisch-slawischen religi\u00f6sen Litaneien.&#34;<\/p>\n<p><strong>Licht auf die Peripherie<\/strong><\/p>\n<p>Dazu meinte Maja Haderlap, bezugnehmend auf Handkes Erz\u00e4hlung &#34;Die Wiederholung&#34;: Sie habe das ber\u00fchrt. &#34;Wenn man bedenkt, dass man die Kultur und Entwicklungen immer nur in den kulturellen und politischen Zentren Europas ortet &#8211; und hier ist ein Licht auf die Peripherie gefallen, die auch in \u00f6sterreichischen Zusammenh\u00e4ngen stiefm\u00fctterlich behandelt wurde. Man hat sich f\u00fcr die Zweisprachigkeit gesch\u00e4mt.&#34;<\/p>\n<p>Sie vermisse aber jegliche Differenzierung in der Diskussion, die oft ohne fundiertes Wissen gef\u00fchrt werde. Gerade wenn es um die Balkanregionen gehe, die durch die aktuelle Debatte wieder verst\u00e4rkt in den Fokus ger\u00fcckt worden seien. &#34;Was in Bosnien, in Serbien, in Czarnogora passiert: Es ist ein Berg an Fragen, die uns besch\u00e4ftigen m\u00fcssen &#8211; abgesehen von Handke&#34;, so die Autorin.<\/p>\n<p>Die aktuelle Debatte als Ansto\u00df ein verdr\u00e4ngtes Kapitel europ\u00e4ischer Geschichte wieder aufzuschlagen.<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"https:\/\/oe1.orf.at\/artikel\/665780\/Peter-Handke-erhielt-Literaturnobelpreis\">Link zum Beitrag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d61 Journal Panorama 9.12.2019 Peter Handke erhielt Literaturnobelpreis Der Dichter Peter Handke besitzt nun offiziell seine Urkunde und seine Medaille, die ihn als Literaturnobelpreistr\u00e4ger 2019 ausweisen: Der 77-j\u00e4hrige Literat erhielt am Dienstag gegen Ende der feierlichen Zeremonie im Stockholmer Konzerthaus die beiden Insignien aus den H\u00e4nden des schwedischen K\u00f6nigs Carl XVI. 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