{"id":3580,"date":"2020-11-09T12:13:17","date_gmt":"2020-11-09T11:13:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/?p=3580"},"modified":"2020-11-09T12:13:17","modified_gmt":"2020-11-09T11:13:17","slug":"wiener-terrorist-hatte-brisante-verbindungen-nach-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/news\/wiener-terrorist-hatte-brisante-verbindungen-nach-deutschland\/","title":{"rendered":"Wiener Terrorist hatte brisante Verbindungen nach Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Standard<\/strong><br \/>\n<strong>6. November 2020<\/strong><\/p>\n<p>Fabian Schmid, Jan Michael Marchart<\/p>\n<p><strong>Der Attent\u00e4ter f\u00fchrte den Anschlag wohl allein aus, hinter ihm stand aber ein Netzwerk von Deutschland bis auf den Balkan<\/strong><\/p>\n<div data-section-type=\"gallery\" data-position=\"auto\" data-size=\"auto\" data-gallery-type=\"secondary\">\n<div>\n<div class=\"swiper-container\" data-swiper-disabled-on=\"extraLarge\">\n<div class=\"swiper-wrapper\">\n<div class=\"swiper-slide\" data-hash=\"slide1\">\n<div data-section-type=\"image\" data-position=\"auto\" data-size=\"auto\">\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"swiper-slide\" data-hash=\"slide1\">\n<div data-section-type=\"image\" data-position=\"auto\" data-size=\"auto\">\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Als Teenager Richtung Syrien aufgebrochen, geschnappt und zu fast zwei Jahren Haft verurteilt: Es sind erstaunliche Parallelen, die Anzor W. und K. F. miteinander verbinden. Noch kurz bevor K. F. am Montag in die Wiener Innenstadt fuhr, um ein Blutbad anzurichten, sollen die beiden miteinander in Kontakt gestanden sein. Monate zuvor hatte W. mit seiner Familie <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/terroranschlag-in-wien-razzien-bei-deutschen-islamisten-a-3667f94a-0141-48ec-ad08-d3b1fc9980cf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">noch selbst in Wien gelebt<\/a>.<\/p>\n<div><\/div>\n<p>F\u00fcr die Ermittler war das Grund genug, Freitagfr\u00fch mit Polizisten der Eliteeinheit GSG9 in die Wohnung von W. in Schleswig-Holstein einzudringen. Au\u00dferdem wurden kurz zwei Verd\u00e4chtige festgenommen, die im Juli 2020 den sp\u00e4teren Attent\u00e4ter in Wien besucht hatten, sowie eine Person, die in Kontakt zum Umfeld des T\u00e4ters stand. In \u00d6sterreich waren bereits in den Tagen zuvor 15 Personen vorl\u00e4ufig festgenommen worden, \u00fcber acht von ihnen wurde U-Haft verh\u00e4ngt, zwei sind noch nicht in Justizanstalten eingeliefert worden. Auch in der Schweiz setzte es zwei Festnahmen.<\/p>\n<h3>Eingebettet in ein Netzwerk<\/h3>\n<p>Damit sind derzeit 12 Personen im deutschsprachigen Raum in Verbindung zum Attentat in Wien in Gewahrsam. Ermittler gehen derzeit davon aus, dass F. bei der Tatausf\u00fchrung allein gehandelt hat. Hinter ihm steht aber ein Netzwerk, das nicht nur extremistische Propaganda verbreitet, sondern ganz konkret in Anschl\u00e4ge im deutschsprachigen Raum und Reisen ins syrische Kriegsgebiet verwickelt ist.<\/p>\n<p>So tauchte der in Schleswig-Holstein verhaftete W. im Dunstkreis der Hildesheimer Moschee rund um Abu Walaa auf. Der Prediger galt als &#34;Popstar&#34; der deutschen Szene, bis er im November 2016 festgenommen wurde. Seit drei Jahren wird ihm nun der Prozess gemacht, es gilt die Unschuldsvermutung.<\/p>\n<p>Anzor W., der Freund des Attent\u00e4ters von Wien, schlug bereits 2016 im Umfeld von Abu Walaa auf. Der damals 17-j\u00e4hrige W. war mit einem gesuchten Jihadisten im Auto gesessen, als dieser aufgehalten wurde. Unter W.s Sachen fand man eine Namensliste mit salafistischen Gefangenen im deutschsprachigen Raum, auf der Liste befand sich auch eine Person aus Wien. Ebenfalls bei ihm: eine Liste an Dingen, die er vor seiner &#34;Abreise&#34; erledigen wollte: &#34;Jeden Tag Joggen, wenn&#8217;s geht&#34;, &#34;fit halten&#34;, &#34;S\u00fcnden unterlassen&#34;, &#34;impfen&#34; und &#34;letzten Monat&#34; mit der Familie verbringen sowie ihnen &#34;Geschenke machen&#34;.<\/p>\n<h3>Kontakte bis nach Syrien<\/h3>\n<p>Knapp ein Jahr sp\u00e4ter war es dann so weit: W. machte sich im Fr\u00fchjahr 2017 gemeinsam mit Freunden nach Syrien auf, wurde aber in Bulgarien gestoppt. Ein Hamburger Gericht verurteilte die Gruppe sp\u00e4ter wegen staatsgef\u00e4hrdender Handlungen. Der sp\u00e4tere Wiener Attent\u00e4ter wollte 2018 nach Syrien, er schaffte es im Herbst bis in den t\u00fcrkischen Grenzort Hayat, wo er in einem &#34;Safe House&#34; des IS mit deutschen Jihadisten des IS auf die Weiterreise nach Syrien wartete.<\/p>\n<p>IS-Kontakte tauchten nicht auf, daf\u00fcr aber t\u00fcrkische Polizisten, die ihn nach Wien abschoben. Dort wurde er dann zu zwanzig Monaten Haft verurteilt und Ende Dezember 2019 unter Auflagen freigelassen. Das Netzwerk von Abu Walaa r\u00fcckte noch einmal besonders stark nach dem Terroranschlag auf den Breitscheidplatz in Berlin in den Fokus der Ermittler. Zum Zeitpunkt der Tat im Dezember 2016 war Abu Walaa zwar schon in Haft, zuvor hatte sein Umfeld jedoch permanent mit dem Attent\u00e4ter von Berlin kommuniziert. Laut Aussagen eines Syrien-R\u00fcckkehrers und einer &#34;Vertrauensperson&#34; der deutschen Beh\u00f6rden hatten Abu Walaa und sein Umfeld direkte Kan\u00e4le in die F\u00fchrungsebenen des IS.<\/p>\n<p>Dazu k\u00f6nnte auch der Wiener Mohammed M. z\u00e4hlen, der eine deutschsprachige Einheit angef\u00fchrt haben soll. Der predigte vor seiner Ausreise nach Syrien wiederum in jener Moschee in Wien-Ottakring, in der sich sp\u00e4ter der Wiener Attent\u00e4ter radikalisiert hat \u2013 und die nun geschlossen werden soll.<\/p>\n<h3>Das Ebu-Tejma-Netzwerk<\/h3>\n<p>Ein weiterer prominenter Name in der deutschsprachigen Szene ist Mirsad O. alias Ebu Tejma. Sein Umfeld soll f\u00fcr rund 40 Ausreisen nach Syrien verantwortlich sein. <a href=\"https:\/\/ctc.usma.edu\/the-berlin-attack-and-the-abu-walaa-islamic-state-recruitment-network\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Laut Kennern der Szene sind die Netzwerke von Abu Waala und Ebu Tejma &#34;zumindest lose&#34; miteinander verbunden<\/a>. Im Umfeld des Grazer Predigers soll es m\u00f6glich gewesen sein, sich gef\u00e4lschte P\u00e4sse zu besorgen. Tejma wurde 2016 zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Er ist damit einer von insgesamt 54 Personen, die derzeit wegen terroristischer Delikte eine Haftstrafe in \u00d6sterreich verb\u00fc\u00dfen. Insgesamt setzte es seit dem Jahr 2013 exakt 172 Verurteilungen wegen der &#34;Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung&#34;, wie das Justizministerium dem STANDARD mitteilte. Wegen &#34;terroristischer Straftaten&#34; wurden lediglich 13 Personen verurteilt. Laut Ermittlerkreisen soll es in \u00d6sterreich 300 Ausreisen f\u00fcr jihadistische Zwecke und rund 90 R\u00fcckkehrer gegeben haben.<\/p>\n<h3>Schauplatz Balkan<\/h3>\n<p>Tejma stammt aus dem Sandschak, zog 1992 nach \u00d6sterreich, der V\u00f6lkermord auf dem Balkan habe ihn aber sozialisiert und er wurde sp\u00e4ter im arabischen Raum ausgebildet, sagt Vedran D\u017eihi\u0107. Er ist Senior Researcher am \u00d6sterreichischen Institut f\u00fcr Internationale Politik und besch\u00e4ftigt sich intensiv mit der salafistischen und jihadistischen Szene auf dem Balkan. Tejma genie\u00dft bis heute Kultstatus unter salafistischen Jugendlichen. &#34;Dass er einsitzt, hat das wohl noch einmal verst\u00e4rkt&#34;.<\/p>\n<p>Von Bosnien \u00fcber den serbischen Sandschak bis hin zum Kosovo bildeten sich etliche islamistische Zellen nach den Kriegen in den 1990er-Jahren immer st\u00e4rker heraus. Auch weil nach dem Fall Ex-Jugoslawiens zwischen katholischen Kroaten, orthodoxen Serben und muslimischen Bosniern die religi\u00f6se Spaltung immer st\u00e4rker wurde, erkl\u00e4rt D\u017eihi\u0107.<\/p>\n<p>Den Balkan bezeichnet der Wissenschafter als eines der wichtigsten salafistischen und jihadistischen Zentren Europas, dort werde die Ideologie weiterentwickelt. Die Szene ist daher auch wesentlich gr\u00f6\u00dfer als in der Diaspora. Aber es gibt einen regen Austausch, eine &#34;pulsierende Ader&#34;, wie es D\u017eihi\u0107 ausdr\u00fcckt, unter anderem auch mit der salafistischen Szene in \u00d6sterreich.<\/p>\n<h3>Ein Waffenarsenal f\u00fcr Jihadisten<\/h3>\n<p>Allein die geografische N\u00e4he wie auch die Zahl der Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien hierzulande seien ein gutes Fundament f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes islamistisches Netzwerk. Bewegung zwischen den Zellen auf dem Balkan und \u00d6sterreich nimmt D\u017eihi\u0107 vor allem von der \u00e4lteren Anh\u00e4ngerschaft wahr. Die J\u00fcngeren w\u00fcrden sich eher \u00fcber das Internet sowie \u00fcber soziale Netzwerke radikalisieren und &#34;daheim&#34; erweiterte Gemeinschaftskreise mit Islamisten aufbauen, die durchaus auch Wurzeln in unterschiedlichen L\u00e4ndern haben.<\/p>\n<p>Man hilft seinen &#34;Br\u00fcdern&#34; aber offensichtlich auch finanziell. Seit der Salafistenf\u00fchrer in Bosnien, Bilal Bosni\u0107, 2014 verhaftet wurde, &#34;verdichteten sich die Hinweise, dass aus den \u00f6sterreichischen salafistischen Netzwerken Geld nach Bosnien und in den Sandschak geflossen ist&#34;, hei\u00dft es in einem 2016 erschienenen Arbeitspapier von D\u017eihi\u0107. Mirsad O. und Bosni\u0107 sollen bei der Anwerbung von IS-K\u00e4mpfern ebenfalls eine zentrale Rolle gespielt haben, f\u00fchrt er aus.<\/p>\n<p>In Sachen Waffen d\u00fcrfte der Balkan \u00fcberdies ein Arsenal f\u00fcr Jihadisten sein. Die Kalaschnikow des Attent\u00e4ters stammte aus Ex-Jugoslawien, auch beim Anschlag von Paris 2015 beispielsweise waren Sturmgewehre aus dem ehemaligen Jugoslawien und ehemaligen Ostblock im Einsatz. Wir wissen, dass nach dem Ex-Jugoslawien-Kriegen Millionen von Handwaffen und Kalaschnikows vorhanden sind&#34;, sagt D\u017eihi\u0107. &#34;Wer heute in Bosnien und dem Kosovo selbst als Privatperson eine Waffe haben will und das n\u00f6tige Kleingeld hat, der bekommt sie mit Sicherheit.&#34;<\/p>\n<p class=\"article-origins\">Als Teenager Richtung Syrien aufgebrochen, geschnappt und zu fast zwei Jahren Haft verurteilt: Es sind erstaunliche Parallelen, die Anzor W. und K. F. miteinander verbinden. Noch kurz bevor K. F. am Montag in die Wiener Innenstadt fuhr, um ein Blutbad anzurichten, sollen die beiden miteinander in Kontakt gestanden sein. Monate zuvor hatte W. mit seiner Familie <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/terroranschlag-in-wien-razzien-bei-deutschen-islamisten-a-3667f94a-0141-48ec-ad08-d3b1fc9980cf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">noch selbst in Wien gelebt<\/a>.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ermittler war das Grund genug, Freitagfr\u00fch mit Polizisten der Eliteeinheit GSG9 in die Wohnung von W. in Schleswig-Holstein einzudringen. Au\u00dferdem wurden kurz zwei Verd\u00e4chtige festgenommen, die im Juli 2020 den sp\u00e4teren Attent\u00e4ter in Wien besucht hatten, sowie eine Person, die in Kontakt zum Umfeld des T\u00e4ters stand. In \u00d6sterreich waren bereits in den Tagen zuvor 15 Personen vorl\u00e4ufig festgenommen worden, \u00fcber acht von ihnen wurde U-Haft verh\u00e4ngt, zwei sind noch nicht in Justizanstalten eingeliefert worden. Auch in der Schweiz setzte es zwei Festnahmen.<\/p>\n<h3>Eingebettet in ein Netzwerk<\/h3>\n<p>Damit sind derzeit 12 Personen im deutschsprachigen Raum in Verbindung zum Attentat in Wien in Gewahrsam. Ermittler gehen derzeit davon aus, dass F. bei der Tatausf\u00fchrung allein gehandelt hat. Hinter ihm steht aber ein Netzwerk, das nicht nur extremistische Propaganda verbreitet, sondern ganz konkret in Anschl\u00e4ge im deutschsprachigen Raum und Reisen ins syrische Kriegsgebiet verwickelt ist.<\/p>\n<p>So tauchte der in Schleswig-Holstein verhaftete W. im Dunstkreis der Hildesheimer Moschee rund um Abu Walaa auf. Der Prediger galt als &#34;Popstar&#34; der deutschen Szene, bis er im November 2016 festgenommen wurde. Seit drei Jahren wird ihm nun der Prozess gemacht, es gilt die Unschuldsvermutung.<\/p>\n<p>Anzor W., der Freund des Attent\u00e4ters von Wien, schlug bereits 2016 im Umfeld von Abu Walaa auf. Der damals 17-j\u00e4hrige W. war mit einem gesuchten Jihadisten im Auto gesessen, als dieser aufgehalten wurde. Unter W.s Sachen fand man eine Namensliste mit salafistischen Gefangenen im deutschsprachigen Raum, auf der Liste befand sich auch eine Person aus Wien. Ebenfalls bei ihm: eine Liste an Dingen, die er vor seiner &#34;Abreise&#34; erledigen wollte: &#34;Jeden Tag Joggen, wenn&#8217;s geht&#34;, &#34;fit halten&#34;, &#34;S\u00fcnden unterlassen&#34;, &#34;impfen&#34; und &#34;letzten Monat&#34; mit der Familie verbringen sowie ihnen &#34;Geschenke machen&#34;.<\/p>\n<h3>Kontakte bis nach Syrien<\/h3>\n<p>Knapp ein Jahr sp\u00e4ter war es dann so weit: W. machte sich im Fr\u00fchjahr 2017 gemeinsam mit Freunden nach Syrien auf, wurde aber in Bulgarien gestoppt. Ein Hamburger Gericht verurteilte die Gruppe sp\u00e4ter wegen staatsgef\u00e4hrdender Handlungen. Der sp\u00e4tere Wiener Attent\u00e4ter wollte 2018 nach Syrien, er schaffte es im Herbst bis in den t\u00fcrkischen Grenzort Hayat, wo er in einem &#34;Safe House&#34; des IS mit deutschen Jihadisten des IS auf die Weiterreise nach Syrien wartete.<\/p>\n<p>IS-Kontakte tauchten nicht auf, daf\u00fcr aber t\u00fcrkische Polizisten, die ihn nach Wien abschoben. Dort wurde er dann zu zwanzig Monaten Haft verurteilt und Ende Dezember 2019 unter Auflagen freigelassen. Das Netzwerk von Abu Walaa r\u00fcckte noch einmal besonders stark nach dem Terroranschlag auf den Breitscheidplatz in Berlin in den Fokus der Ermittler. Zum Zeitpunkt der Tat im Dezember 2016 war Abu Walaa zwar schon in Haft, zuvor hatte sein Umfeld jedoch permanent mit dem Attent\u00e4ter von Berlin kommuniziert. Laut Aussagen eines Syrien-R\u00fcckkehrers und einer &#34;Vertrauensperson&#34; der deutschen Beh\u00f6rden hatten Abu Walaa und sein Umfeld direkte Kan\u00e4le in die F\u00fchrungsebenen des IS.<\/p>\n<p>Dazu k\u00f6nnte auch der Wiener Mohammed M. z\u00e4hlen, der eine deutschsprachige Einheit angef\u00fchrt haben soll. Der predigte vor seiner Ausreise nach Syrien wiederum in jener Moschee in Wien-Ottakring, in der sich sp\u00e4ter der Wiener Attent\u00e4ter radikalisiert hat \u2013 und die nun geschlossen werden soll.<\/p>\n<h3>Das Ebu-Tejma-Netzwerk<\/h3>\n<p>Ein weiterer prominenter Name in der deutschsprachigen Szene ist Mirsad O. alias Ebu Tejma. Sein Umfeld soll f\u00fcr rund 40 Ausreisen nach Syrien verantwortlich sein. <a href=\"https:\/\/ctc.usma.edu\/the-berlin-attack-and-the-abu-walaa-islamic-state-recruitment-network\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Laut Kennern der Szene sind die Netzwerke von Abu Waala und Ebu Tejma &#34;zumindest lose&#34; miteinander verbunden<\/a>. Im Umfeld des Grazer Predigers soll es m\u00f6glich gewesen sein, sich gef\u00e4lschte P\u00e4sse zu besorgen. Tejma wurde 2016 zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Er ist damit einer von insgesamt 54 Personen, die derzeit wegen terroristischer Delikte eine Haftstrafe in \u00d6sterreich verb\u00fc\u00dfen. Insgesamt setzte es seit dem Jahr 2013 exakt 172 Verurteilungen wegen der &#34;Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung&#34;, wie das Justizministerium dem STANDARD mitteilte. Wegen &#34;terroristischer Straftaten&#34; wurden lediglich 13 Personen verurteilt. Laut Ermittlerkreisen soll es in \u00d6sterreich 300 Ausreisen f\u00fcr jihadistische Zwecke und rund 90 R\u00fcckkehrer gegeben haben.<\/p>\n<h3>Schauplatz Balkan<\/h3>\n<p>Tejma stammt aus dem Sandschak, zog 1992 nach \u00d6sterreich, der V\u00f6lkermord auf dem Balkan habe ihn aber sozialisiert und er wurde sp\u00e4ter im arabischen Raum ausgebildet, sagt Vedran D\u017eihi\u0107. Er ist Senior Researcher am \u00d6sterreichischen Institut f\u00fcr Internationale Politik und besch\u00e4ftigt sich intensiv mit der salafistischen und jihadistischen Szene auf dem Balkan. Tejma genie\u00dft bis heute Kultstatus unter salafistischen Jugendlichen. &#34;Dass er einsitzt, hat das wohl noch einmal verst\u00e4rkt&#34;.<\/p>\n<p>Von Bosnien \u00fcber den serbischen Sandschak bis hin zum Kosovo bildeten sich etliche islamistische Zellen nach den Kriegen in den 1990er-Jahren immer st\u00e4rker heraus. Auch weil nach dem Fall Ex-Jugoslawiens zwischen katholischen Kroaten, orthodoxen Serben und muslimischen Bosniern die religi\u00f6se Spaltung immer st\u00e4rker wurde, erkl\u00e4rt D\u017eihi\u0107.<\/p>\n<p>Den Balkan bezeichnet der Wissenschafter als eines der wichtigsten salafistischen und jihadistischen Zentren Europas, dort werde die Ideologie weiterentwickelt. Die Szene ist daher auch wesentlich gr\u00f6\u00dfer als in der Diaspora. Aber es gibt einen regen Austausch, eine &#34;pulsierende Ader&#34;, wie es D\u017eihi\u0107 ausdr\u00fcckt, unter anderem auch mit der salafistischen Szene in \u00d6sterreich.<\/p>\n<h3>Ein Waffenarsenal f\u00fcr Jihadisten<\/h3>\n<p>Allein die geografische N\u00e4he wie auch die Zahl der Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien hierzulande seien ein gutes Fundament f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes islamistisches Netzwerk. Bewegung zwischen den Zellen auf dem Balkan und \u00d6sterreich nimmt D\u017eihi\u0107 vor allem von der \u00e4lteren Anh\u00e4ngerschaft wahr. Die J\u00fcngeren w\u00fcrden sich eher \u00fcber das Internet sowie \u00fcber soziale Netzwerke radikalisieren und &#34;daheim&#34; erweiterte Gemeinschaftskreise mit Islamisten aufbauen, die durchaus auch Wurzeln in unterschiedlichen L\u00e4ndern haben.<\/p>\n<p>Man hilft seinen &#34;Br\u00fcdern&#34; aber offensichtlich auch finanziell. Seit der Salafistenf\u00fchrer in Bosnien, Bilal Bosni\u0107, 2014 verhaftet wurde, &#34;verdichteten sich die Hinweise, dass aus den \u00f6sterreichischen salafistischen Netzwerken Geld nach Bosnien und in den Sandschak geflossen ist&#34;, hei\u00dft es in einem 2016 erschienenen Arbeitspapier von D\u017eihi\u0107. Mirsad O. und Bosni\u0107 sollen bei der Anwerbung von IS-K\u00e4mpfern ebenfalls eine zentrale Rolle gespielt haben, f\u00fchrt er aus.<\/p>\n<p>In Sachen Waffen d\u00fcrfte der Balkan \u00fcberdies ein Arsenal f\u00fcr Jihadisten sein. Die Kalaschnikow des Attent\u00e4ters stammte aus Ex-Jugoslawien, auch beim Anschlag von Paris 2015 beispielsweise waren Sturmgewehre aus dem ehemaligen Jugoslawien und ehemaligen Ostblock im Einsatz. Wir wissen, dass nach dem Ex-Jugoslawien-Kriegen Millionen von Handwaffen und Kalaschnikows vorhanden sind&#34;, sagt D\u017eihi\u0107. &#34;Wer heute in Bosnien und dem Kosovo selbst als Privatperson eine Waffe haben will und das n\u00f6tige Kleingeld hat, der bekommt sie mit Sicherheit.&#34;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Standard 6. 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