{"id":4437,"date":"2021-09-10T12:56:02","date_gmt":"2021-09-10T10:56:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/?p=4437"},"modified":"2024-11-21T14:49:19","modified_gmt":"2024-11-21T13:49:19","slug":"4437","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/news-en\/4437\/","title":{"rendered":"Caspar Einem und die unabh\u00e4ngige Wissenschaft \u2013 Nachruf auf einen gro\u00dfen Erm\u00f6glicher"},"content":{"rendered":"<div class=\"css-1dbjc4n\">\n<div class=\"css-1dbjc4n r-1s2bzr4\">\n<div id=\"id__udo44nqfk9\" class=\"css-901oao r-18jsvk2 r-37j5jr r-1blvdjr r-16dba41 r-vrz42v r-bcqeeo r-bnwqim r-qvutc0\" dir=\"auto\" lang=\"de\">\n<h5><strong>Nachruf auf einen gro\u00dfen Erm\u00f6glicher<\/strong><br \/>\nVon Saskia Stachowitsch und Cengiz G\u00fcnay<\/h5>\n<p>Die Reaktionen auf den pl\u00f6tzlichen Tod von Caspar Einem haben deutlich gemacht, dass er vielen Menschen unterschiedlicher politischer \u00dcberzeugung in \u00d6sterreich viel bedeutet hat. All jenen, die an ein weltoffenes, progressives \u00d6sterreich jenseits des Kleingeistes und der Parteilichkeit glauben, war er Symbol f\u00fcr aufrichtige und prinzipientreue Politik, die an Dialog, Demokratie, Menschlichkeit und Gerechtigkeit orientiert ist. Besonders seine Verdienste als letzter liberaler, gar \u201alinker\u2018 Innenminister, der sich dem wachsenden Rechtspopulismus entgegensetzte, sind in Erinnerung geblieben. Weniger Beachtung findet im Gedenken, dass Caspar Einem auch Wissenschaftsminister war und in dieser Funktion einiges bewegt hat, beispielsweise in der Frauenf\u00f6rderung, die er in der universit\u00e4ren Berufungspolitik gegen gro\u00dfe Widerst\u00e4nde der M\u00e4nnerb\u00fcnde konsequent betrieben hat. Kaum bekannt ist weiters, dass er sich als Europasprecher der SP\u00d6 und Vorsitzender des au\u00dfenpolitischen Ausschusses im Nationalrat in der \u00f6sterreichischen Au\u00dfenpolitik engagierte, insbesondere f\u00fcr die Schaffung einer Gespr\u00e4chsbasis zwischen Konfliktparteien im Nahen Osten.<\/p>\n<p>Aus dem Gro\u00dfb\u00fcrgertum stammend hatte Einem eine privilegierte soziale Stellung. Diese hat er nie negiert, sondern kompromisslos f\u00fcr wichtige gesellschaftliche Anliegen eingesetzt. Er verstand das Spiel der Macht, ohne sich anzupassen oder gar anzubiedern. So hat er \u2013 neben vielen anderen Verdiensten \u2013 die au\u00dferuniversit\u00e4re Wissenschaft und Forschung unterst\u00fctzt, insbesondere f\u00fcr die Sozialwissenschaften und die internationale Politikforschung. Seit 2011 war er Pr\u00e4sident des \u00d6sterreichischen Instituts f\u00fcr Internationale Politik-oiip. Sp\u00e4ter wurde er auch Vize-Pr\u00e4sident des Europ\u00e4ischen Forum Alpbach und des Instituts f\u00fcr H\u00f6here Studien. Diese T\u00e4tigkeiten sind keineswegs als Fu\u00dfnoten zu seiner Karriere in Politik und Industrie anzusehen, sondern stehen f\u00fcr unbeirrbares und unerm\u00fcdliches Wirken f\u00fcr die freie Wissenschaft, ihren Austausch mit der Gesellschaft und insbesondere f\u00fcr die politikrelevante, evidenzbasierte Forschung zu au\u00dfen- und sicherheitspolitischen Themen. Angesichts der kaum vorhandenen Finanzierungsstrukturen und des schwach ausgepr\u00e4gten Austausches zwischen Politik und Wissenschaft war dies wahrlich keine leichte Aufgabe.<\/p>\n<p>Um diese Probleme wissend wollte er in diesem Bereich etwas ver\u00e4ndern, verbessern. Frei nach Hannah Arendts Politikbegriff stellte er dabei das gemeinsame Handeln in den Vordergrund, jenseits von Ideologie und Lagerdenken. So hat er gemeinsam mit einem Team aus Wissenschaftern und Wissenschafterinnen das oiip unter den schwierigen Bedingungen in der \u00f6sterreichischen Forschungslandschaft auf stabile Beine gestellt und zu einer der wenigen Einrichtungen gemacht, die Grundlagenforschung zu Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik betreibt und auch Politikberatung anbietet. Um dies zu erm\u00f6glichen, hat er seine Zeit und Energie, seine Kontakte und sein Wissen gro\u00dfz\u00fcgig und selbstlos zu Verf\u00fcgung gestellt sowie den Beteiligten angesichts der oftmals prek\u00e4ren Lage immer wieder Mut gemacht.<\/p>\n<p><span class=\"css-901oao css-16my406 r-poiln3 r-bcqeeo r-qvutc0\">Hartn\u00e4ckig, ja geradezu stur verfolgte er die Idee einer allgemeinen Finanzierungsstruktur f\u00fcr die au\u00dferuniversit\u00e4re Forschung, die sich an jener der Leibniz Gesellschaft in Deutschland orientierten sollte. Er wollte dadurch hohe Qualit\u00e4t und Praxisrelevanz in einer vielf\u00e4ltigen und unabh\u00e4ngigen Forschungslandschaft sicherstellen. Auch dies betrieb er \u2013 ganz \u201aun-\u00f6sterreichisch\u2018 \u2013 nicht nur f\u00fcr \u201aseine\u2018, sondern f\u00fcr alle vergleichbaren Institutionen. So war Caspar Einem. Einer, der sich f\u00fcr die gute Sache jenseits von Ideologie und Lagerdenken einsetzte. Sein pl\u00f6tzlicher Tod ist nicht nur f\u00fcr die betroffenen Institutionen, sondern f\u00fcr den gesamten Forschungsstandort \u00d6sterreich ein gro\u00dfer Verlust.<\/span><\/p>\n<p>Erschienen in &#34;Die Presse&#34; am 21.9.2021<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachruf auf einen gro\u00dfen Erm\u00f6glicher Von Saskia Stachowitsch und Cengiz G\u00fcnay Die Reaktionen auf den pl\u00f6tzlichen Tod von Caspar Einem haben deutlich gemacht, dass er vielen Menschen unterschiedlicher politischer \u00dcberzeugung in \u00d6sterreich viel bedeutet hat. 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