{"id":469,"date":"2019-01-17T19:02:10","date_gmt":"2019-01-17T18:02:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.oiip.at\/cms\/?p=469"},"modified":"2019-05-02T19:03:23","modified_gmt":"2019-05-02T17:03:23","slug":"werben-um-den-bruderstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/news\/werben-um-den-bruderstaat\/","title":{"rendered":"Werben um den Bruderstaat"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\"><b>Wiener Zeitung<br \/>\n17. J\u00e4nner 2019<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Werben um den Bruderstaat<br \/>\n<\/b>von Gerhard Lechner<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Belgrad\/Moskau. In der Ukraine, in Polen oder dem Baltikum geh\u00f6rt Wladimir Putin nicht gerade zu den beliebtesten Politikern. Doch auf Serbien ist aus Sicht des russischen Pr\u00e4sidenten Verlass: Nirgendwo in Europa ist Russland so beliebt wie im orthodoxen Bruderstaat auf dem Balkan. Die Putin-T-Shirts, die in Belgrad angeboten werden, finden rei\u00dfenden Absatz. Der im Westen ungeliebte Kreml-Chef wird als Besch\u00fctzer Serbiens wahrgenommen. Im ukrainischen Kirchenkonflikt hat sich die serbische Kirche eindeutig auf die Seite Moskaus geschlagen. Und in S\u00fcdserbien hat 2017 sogar ein Dorf seinen Namen von Adzinci in Putinovo ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Am Donnerstag wird diese spezielle Beziehung Serbiens zu Russland wieder zelebriert werden &#8211; dann, wenn Putin in Belgrad zum bereits 14. Mal mit seinem serbischen Amtskollegen Aleksandar Vucic zusammentrifft. Vordergr\u00fcndig geht es um die Wirtschaft: Rund 20 Abkommen sollen zwischen den beiden Staaten sowie zwischen serbischen und russischen Firmen unterzeichnet werden &#8211; etwa ein Verkehrsabkommen im Wert von 230 Millionen Euro zur Modernisierung von Eisenbahnstrecken. Ein Hauptthema der Gespr\u00e4che soll au\u00dferdem die Kosovo-Frage sein, in der Moskau Belgrad unterst\u00fctzt. Der 2011 von der EU initiierte Normalisierungsdialog zwischen Belgrad und Pristina liegt seit Monaten auf Eis.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Der Putin-Besuch hat aber noch eine weitere Dimension: eine geopolitische. Denn obwohl ein Nato-Beitritt Serbiens heute kaum vorstellbar scheint, f\u00fcrchtet Moskau langfristig ein solches Szenario. &#34;In heurigen Jahr ist der Nato-Beitritt Mazedoniens geplant. Russland will weitere Erweiterungsschritte des westlichen B\u00fcndnisses mit allen Mitteln stoppen&#34;, sagt Balkan-Experte Vedran Dzihic der &#34;Wiener Zeitung&#34;. Putin lobte vor seiner Reise nach Belgrad dann auch explizit die milit\u00e4rische Neutralit\u00e4t Serbiens, die man &#34;hoch sch\u00e4tze&#34;. Und er kritisierte die US-Politik auf dem Balkan, die ein &#34;Destabilisierungsfaktor&#34; sei.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">&#34;Aus diesen Gr\u00fcnden hat Moskau auch seine Aktivit\u00e4ten in Serbien verst\u00e4rkt, sowohl politisch als auch kulturell oder im Medienbereich&#34;, sagt Dzihic. &#34;Mit einem ganzen Set an Ma\u00dfnahmen will Russland verhindern, dass Serbien Richtung Nato abdriftet&#34;, analysiert der Politikwissenschafter vom \u00d6sterreichischen Institut f\u00fcr Internationale Politik (OIIP). Und Russland-Experte Gerhard Mangott von der Universit\u00e4t Innsbruck erg\u00e4nzt: &#34;W\u00fcrden eines Tages, was derzeit extrem unwahrscheinlich ist, Serbien und Bosnien zu Nato-Mitgliedern werden, w\u00e4re der gesamte Westbalkan unter Nato- und damit auch US-Kontrolle. Serbien ist f\u00fcr Russland, das am Balkan Interessen hat, also ein Schl\u00fcsselland.&#34;<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Das ist es freilich auch f\u00fcr China und die EU. &#34;Um die Zukunft Serbiens gibt es zwischen Moskau, Peking und Br\u00fcssel eine dreifache Rivalit\u00e4t&#34;, sagt Mangott im Gespr\u00e4ch mit der &#34;Wiener Zeitung&#34;. Und Vucic versuche dabei, &#34;sich in alle Richtungen zu drehen und zu strecken&#34;, analysiert Dzihic, um im Sinne eines Machtpragmatikers das Optimum f\u00fcr Serbien herauszuholen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Peking als Alternative zur EU<\/b><br \/>\nDabei hat sich vor allem China in letzter Zeit als Gro\u00dfinvestor in Serbien hervorgetan, etwa im Eisenbahnbereich beim Bau einer Bahnstrecke zwischen Belgrad und Budapest. &#34;Vucic ist immer wieder in China und versucht, China in der \u00d6ffentlichkeit als wirtschaftliche Alternative zur EU zu pr\u00e4sentieren&#34;, sagt Dzihic.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Zu Beginn seiner Amtszeit hat der innenpolitisch durch Proteste derzeit unter Druck geratene Vucic auf die EU gesetzt. &#34;Die Auflage der EU, dass Serbien den Kosovo anerkennen muss, ist aber eine von Br\u00fcssel selbst aufgestellte Barriere f\u00fcr eine weitere EU-Integration Serbiens&#34;, sagt Mangott. Mittlerweile pflegt Vucic gute Kontakte in alle Richtungen: zum Westen, nach Russland, nach China und sogar in die T\u00fcrkei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wiener Zeitung 17. J\u00e4nner 2019 Werben um den Bruderstaat von Gerhard Lechner Belgrad\/Moskau. In der Ukraine, in Polen oder dem Baltikum geh\u00f6rt Wladimir Putin nicht gerade zu den beliebtesten Politikern. Doch auf Serbien ist aus Sicht des russischen Pr\u00e4sidenten Verlass: Nirgendwo in Europa ist Russland so beliebt wie im orthodoxen Bruderstaat auf dem Balkan. 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