{"id":6450,"date":"2023-09-20T11:31:00","date_gmt":"2023-09-20T09:31:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/?p=6450"},"modified":"2023-09-20T12:55:05","modified_gmt":"2023-09-20T10:55:05","slug":"jihadist-soll-anschlag-in-wien-in-letzter-sekunde-abgebrochen-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/news\/jihadist-soll-anschlag-in-wien-in-letzter-sekunde-abgebrochen-haben\/","title":{"rendered":"Jihadist soll Anschlag in Wien in letzter Sekunde abgebrochen haben"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Standard<\/strong><br \/>\n<strong>20.9.2023<br \/>\nDaniela Pisoiu<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p class=\"article-title\"><strong>Jihadist soll Anschlag in Wien in letzter Sekunde abgebrochen haben<\/strong><\/p>\n<p class=\"article-subtitle\">Der 16-J\u00e4hrige sitzt seit vergangener Woche in U-Haft. Er soll laut STANDARD-Informationen bereits mit einem Messer am Wiener Hauptbahnhof gewesen sein<\/p>\n<p>Vor rund einer Woche machte sich ein Jugendlicher auf den Weg in Richtung Wien-Hauptbahnhof. Dort herrscht f\u00fcr gew\u00f6hnlich reger Betrieb. Der Bahnhof ist immerhin ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt f\u00fcr t\u00e4glich 145.000 Menschen. Der 16-J\u00e4hrige \u2013 zun\u00e4chst war von einem 17-j\u00e4hrigen Jugendlichen berichtet worden \u2013 hatte aber nicht vor, in einen der ankommenden Z\u00fcge einzusteigen oder schnell die n\u00e4chste U-Bahn zu erwischen. Er soll fest dazu entschlossen gewesen sein, dort einen Anschlag zu ver\u00fcben. Der Fall wurde am Wochenende \u00f6ffentlich. Unbekannt blieb bisher die konkretere Planung, die wohl dahintergesteckt haben d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Der \u00d6sterreicher mit t\u00fcrkischen Wurzeln gilt als Jihadist. Radikalisiert hat er sich laut Staatsschutz \u00fcber das Internet. Bevor der Jugendliche den Bahnhof betreten habe, soll er ein Foto von sich in Tarnkleidung mit Kampfmesser und IS-Gru\u00df in einer Chatgruppe gepostet haben. Samt Anschlagsdrohung, die er im Chat zwischenzeitlich zur\u00fcckgezogen habe. Auf die angeblich inkriminierende Konversation wurden die heimischen Beh\u00f6rden erst durch einen Hinweis aufmerksam.<\/p>\n<p>In der Station soll der 16-J\u00e4hrige das Messer mit l\u00e4ngerer Klinge dann aber sehr wohl bei sich getragen haben, offenbar mit einem Ziel: Der junge Mann habe geplant, mit einem feuerwerksk\u00f6rper\u00e4hnlichem Kracher f\u00fcr Unsicherheit unter den umherziehenden Passantinnen und Passanten zu sorgen, um dann mit dem Messer zuzustechen, wie der STANDARD aus Sicherheitskreisen erfuhr.<\/p>\n<p>Letztlich habe er seine Pl\u00e4ne aber abgebrochen und habe in einer Moschee gen\u00e4chtigt. Tags darauf nahmen Wega-Beamte den Jugendlichen auf offener Stra\u00dfe fest. Das besagte Kampfmesser trug er bei sich. Der Jugendliche kam prompt in Untersuchungshaft. In seiner Polizeieinvernahme machte er laut dem Innenministerium aus seinen Anschlagspl\u00e4nen kein Hehl. Seinen eigenen Tod h\u00e4tte er dabei in Kauf genommen, sagte er aus. Das Messer f\u00fcr seine Pl\u00e4ne soll er sich erst kurz vor dem Bahnhofsbesuch zugelegt haben. Den Wiener Attent\u00e4ter, der am 2. November 2020 in der Innenstadt vier Menschen erschoss und etliche weitere verletzte, z\u00e4hlte er laut Sicherheitsbeh\u00f6rden zu seinen Vorbildern.<\/p>\n<p><strong>Milieuzahlen unter Verschluss<\/strong><\/p>\n<p>In den vergangenen Monaten sorgten Jihadisten wie der 16-J\u00e4hrige in \u00d6sterreich wieder des \u00d6fteren f\u00fcr Schlagzeilen. Ist das nur purer Zufall? Oder steckt da mehr dahinter? Und wie steht es um die Gefahr eines Anschlags durch radikalislamistischen Extremisten?<\/p>\n<p>Das ist nicht einfach zu beantworten. Der oberste Staatssch\u00fctzer Omar Haijawi-Pirchner betont zwar stets, dass der islamistische Extremismus sowie der Rechtsextremismus in \u00d6sterreich eine gleich hohe Gefahr f\u00fcr Anschl\u00e4ge berge, das l\u00e4sst sich f\u00fcr Au\u00dfenstehende aber kaum \u00fcberpr\u00fcfen. Wie gro\u00df das Milieu der Jihadisten in \u00d6sterreich ist, halten Innenministerium und Staatsschutz auf Nachfrage aus &#34;ermittlungstaktischen&#34; Gr\u00fcnden unter Verschluss. Die <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/2000143936848\/staatsschutzchef-haijawi-pirchner-fordert-zugriff-auf-smartphone-apps\">Zahl der Hochrisikogef\u00e4hrder<\/a> wird auf 50 bis 60 gesch\u00e4tzt. Etwa die H\u00e4lfte davon befindet sich in Haft.<\/p>\n<p><strong>Unterschiedliche Intensit\u00e4ten<\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten F\u00e4lle in \u00d6sterreich weisen in ihrer Form zudem durchaus Unterschiede auf. Anfang September wurde etwa bekannt, dass Staatssch\u00fctzer <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000185611\/zehnkoepfige-islamisten-gruppe-in-oberoesterreich-aufgeflogen\">eine zehnk\u00f6pfige Jihadistengruppe<\/a> im Alter von 15 bis 23 Jahren in Ober\u00f6sterreich ausgeforscht hatten. Die Verd\u00e4chtigen sollen f\u00fcr die Terroristen des &#34;Islamischen Staates&#34; (IS) und des &#34;Emirats Kaukasus&#34; und deren Anliegen geworben haben. Von etwaigen Anschlagspl\u00e4nen in \u00d6sterreich durch diese Gruppe ist bisher nichts bekannt.<\/p>\n<p>Anders gelagert war <a href=\"https:\/\/steiermark.orf.at\/stories\/3217910\/\">die Angelegenheit<\/a> zweier Jugendlicher, 15 und 16 Jahre alt, aus dem steirischen Bruck an der Mur. Sie sollen einen Anschlag auf die Schule des J\u00fcngeren der beiden geplant haben und h\u00e4tten dabei alle Christen in einer Klasse erschie\u00dfen wollen, so der Vorwurf. Die beiden seien \u00fcber einen Freund auch beinahe an eine Maschinenpistole gekommen. Daf\u00fcr fassten die Burschen Anfang Juli eine teilbedingte Haftstrafe von zwei Jahren aus. Auf die beiden wurden die heimischen Beh\u00f6rden durch einen Tipp niederl\u00e4ndischer Ermittler aufmerksam. Sie waren auf Postings der Jugendlichen gesto\u00dfen, in denen es um Waffen und Sprengstoff ging.<\/p>\n<p>Das erinnert ein St\u00fcck weit an den Fall <a href=\"https:\/\/www.derstandard.at\/story\/3000000182332\/was-bisher-vom-terrorverdacht-rund-um-die-wiener-pride-uebrig-blieb\">dreier mutma\u00dflicher Jihadisten<\/a> im Alter von 14, 17 und 20 Jahren, die im Juni einen Anschlag auf die Wiener Regenbogenparade geplant haben sollen. Auch hier lieferten Ermittler aus dem Ausland offenbar Hinweise, die auf Postings in geheimen Chatgruppen beruhen. Entscheidende Beweise f\u00fcr die Vorw\u00fcrfe fehlen noch. Alle drei Verd\u00e4chtigen sind l\u00e4ngst wieder auf freiem Fu\u00df. Auf dem Smartphone des J\u00fcngsten von ihnen konnten acht Bombenbaupl\u00e4ne und reichlich IS-Propaganda sichergestellt werden.<\/p>\n<p><strong>&#34;Jugendliche Amateure&#34;<\/strong><\/p>\n<p>Daniela Pisoiu beh\u00e4lt am \u00d6sterreichischen Institut f\u00fcr Internationale Politik in Wien die heimischen Jihadisten im Blick. Aus ihrer Sicht sind diese F\u00e4lle keine &#34;neue Welle des Jihadismus&#34; \u2013 was in Sicherheitskreisen durchaus anders gesehen wird. Im Gegenteil, die Szene sei nach Einsch\u00e4tzung der Expertin in den vergangenen Jahren hierzulande eher kleiner geworden.<\/p>\n<p>Auch das Niveau der Professionalit\u00e4t habe abgenommen. &#34;Wir haben es jetzt mit jugendlichen Amateuren ohne milit\u00e4rische Ausbildung und ohne viel Kenntnisse hinsichtlich Ideologie und Religion zu tun&#34;, sagt Pisoiu. &#34;In vielen Chatgruppen geht es sehr h\u00e4ufig darum, einen Status zu bekommen, in der Szene cool zu wirken, das l\u00e4sst sich nicht mit fr\u00fcheren Anschl\u00e4gen des IS vergleichen, die eine Zelle zuvor monatelang geplant hat.&#34;<\/p>\n<p>Das hei\u00dfe aber nicht, dass von der Szene keine Gefahr ausgehe. &#34;Das kann heute so und morgen schon wieder anders sein, das ist schwer vorherzusehen&#34;, sagt Pisoiu. Der mutma\u00dfliche Anschlagsplan des 16-j\u00e4hrigen Wieners passt aus ihrer Sicht aber jedenfalls ins Bild der IS-Propaganda. &#34;Da ist es ja vorgesehen, dass alle etwas machen k\u00f6nnen, Hauptsache irgendetwas, um die Gesellschaft zu st\u00f6ren \u2013 und da geht es sehr oft um einfache Mittel wie Messer.&#34; (Jan Michael Marchart, 19.9.2023)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Standard 20.9.2023 Daniela Pisoiu Jihadist soll Anschlag in Wien in letzter Sekunde abgebrochen haben Der 16-J\u00e4hrige sitzt seit vergangener Woche in U-Haft. Er soll laut STANDARD-Informationen bereits mit einem Messer am Wiener Hauptbahnhof gewesen sein Vor rund einer Woche machte sich ein Jugendlicher auf den Weg in Richtung Wien-Hauptbahnhof. 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