{"id":9749,"date":"2025-08-27T15:11:30","date_gmt":"2025-08-27T13:11:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/?p=9749"},"modified":"2025-08-27T15:12:15","modified_gmt":"2025-08-27T13:12:15","slug":"wir-sind-alle-nikolina-proteste-gegen-vucic-regierung-nehmen-wieder-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/news\/wir-sind-alle-nikolina-proteste-gegen-vucic-regierung-nehmen-wieder-zu\/","title":{"rendered":"&#34;Wir sind alle Nikolina&#34;: Proteste gegen Vu\u010di\u0107-Regierung nehmen wieder zu"},"content":{"rendered":"<p><strong>derstandard.at<\/strong><br \/>\n<strong>19. August 2025<\/strong><br \/>\n<strong>Interview mit Vedran D\u017eihi\u0107<\/strong><\/p>\n<p class=\"article-subtitle\"><strong>Die serbische Regierung habe alle Mittel ausgesch\u00f6pft, um die monatelangen Proteste zu beenden \u2013 deshalb eskaliere nun die Situation, meint Politologe Vedran D\u017eihi\u0107.<\/strong><\/p>\n<p>Am Dienstag fand in Belgrad wieder eine Kundgebung von Studierenden statt, die seit Monaten faire und freie Neuwahlen in Serbien fordern. In den vergangenen zehn Tagen war es in vielen St\u00e4dten zu Gewalt gekommen. Anh\u00e4nger der regierenden Fortschrittspartei SNS hatten Demonstrierende geschlagen, die Polizei stellte sich auf die Seite der Regierungspartei und \u00fcbte selbst schwere Gewalt gegen Demonstrierende aus. Dutzende Studierende wurden festgenommen.<\/p>\n<p>Ein Polizeikommandant hatte am 14. August der Studentin Nikolina Sin\u0111eli\u0107 angedroht, sie zu vergewaltigen, und hatte sie geschlagen. Deshalb stand die Solidarit\u00e4t f\u00fcr Sin\u0111eli\u0107 auch im Mittelpunkt der Demo in Belgrad, die unter dem Motto &#34;Wir sind alle Nikolina&#34; stand. Die Demonstranten trugen Transparente mit den Aufschriften &#34;Wer sch\u00fctzt uns vor der Polizei?&#34; oder &#34;Gewalt gegen Frauen ist ein Staatsverbrechen&#34;.<\/p>\n<p>Der S\u00fcdosteuropa-Experte Vedran D\u017eihi\u0107 vom \u00d6sterreichischen Institut f\u00fcr Internationale Politik (OIIP) meint, dass das Vorgehen des Regimes zeige, dass das Gewaltmonopol des Staates in ein &#34;Gewaltverbreitungsmonopol&#34; umgekehrt worden sei. Sowohl die Entsendung von Schl\u00e4gertrupps durch die Regierungspartei SNS als auch die Gewaltsprache in deren Medien zeige, dass das derzeitige Herrschaftsprinzip auf Angst und Gewalt beruhe.<\/p>\n<h3>&#34;Kontrollverlust&#34;<\/h3>\n<p>&#34;Das Regime leidet unter Kontrollverlust&#34;, so D\u017eihi\u0107 zum STANDARD. Pr\u00e4sident Aleksandar Vu\u010di\u0107 habe alle Mittel ausgesch\u00f6pft und sehe keinen Ausweg mehr. &#34;Das Regime hat die Demonstrierenden beschwichtigt, mit Gewalt reagiert, Ablenkungsman\u00f6ver und mediale Kampagnen gestartet und darauf gesetzt, dass die Proteste \u00fcber den Sommer abflauen und verschwinden. Aber das hat nicht funktioniert, deshalb eskaliert man nun.&#34; Vu\u010di\u0107 wolle keine Wahlen, weil er f\u00fcrchte, diese nicht ausreichend manipulieren zu k\u00f6nnen, meint D\u017eihi\u0107. Die Opposition habe neue Kraft gewonnen und k\u00f6nnte bei Neuwahlen zeigen, wie unpopul\u00e4r die SNS mittlerweile sei.<\/p>\n<p>Das Regime versucht es deshalb mittlerweile mit einer Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlung neuen Stils. So behauptete Parlamentspr\u00e4sidentin Ana Brnabi\u0107, dass B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger selbst das Vordach des Bahnhofs in Novi Sad zum Einsturz gebracht h\u00e4tten, um eine Revolution in Gang zu bringen und die Regierung zu st\u00fcrzen. Tats\u00e4chlich war das Vordach am 1. November eingest\u00fcrzt, weil die Renovierung unsachgem\u00e4\u00df durchgef\u00fchrt worden war. Bei dem Einsturz kamen 16 Menschen ums Leben. Ab November 2025 gingen deshalb hunderttausende Serbinnen und Serben auf die Stra\u00dfe, um Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und verantwortliches Regierungshandeln einzufordern.<\/p>\n<p>Das Regime versuche nun nach diesen monatelangen Protesten das Narrativ zu verbreiten, dass Serbien in einen B\u00fcrgerkrieg schlittere, analysiert D\u017eihi\u0107. Auf der einen Seite lobten die Regierungsmedien die Vu\u010di\u0107-Anh\u00e4nger und behaupteten auf der anderen Seite, die Demonstrierenden sorgten f\u00fcr Chaos und seien vom Ausland gesteuert. &#34;Die Gewalt auf den Stra\u00dfen f\u00fchrt aber auch dazu, dass das Vertrauen in die SNS sinkt, weil Vu\u010di\u0107 auch zeigt, dass er nicht f\u00fcr Ruhe sorgen kann.&#34;<\/p>\n<h3>Schl\u00e4gertrupps<\/h3>\n<p>Durch die Aktionen der SNS-Schl\u00e4gertrupps und die Polizeigewalt stiegen auch die Wut und der Zorn in der Protestbewegung, erkl\u00e4rt D\u017eihi\u0107. Deshalb sei es jetzt besonders wichtig, dass diese sich auf die Kernforderungen nach mehr Rechtsstaatlichkeit konzentriere und nicht dem B\u00fcrgerkriegs-Narrativ des Regimes zuspiele. &#34;Denn die Gewalt wird vom Regime gepusht.&#34;<\/p>\n<p>Angesichts der wiederkehrenden Bilder von Pr\u00fcgel-Polizisten in Serbien komme nun auch f\u00fcr Politiker in der EU die Zeit, &#34;in der man nicht mehr schweigen kann&#34;, sagt der Politologe. &#34;Die Freunde von Vu\u010di\u0107, der deutsche Kanzler Friedrich Merz und der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, m\u00fcssten etwas sagen. Denn die EU tr\u00e4gt Verantwortung, und in einem EU-Kandidatenland kann man so eine Gewalt nicht dulden. Ich erwarte, dass die Situation in Serbien im Herbst auch innerhalb der EU auf der Tagesordnung stehen muss.&#34;<\/p>\n<div class=\"article-byline\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>derstandard.at 19. August 2025 Interview mit Vedran D\u017eihi\u0107 Die serbische Regierung habe alle Mittel ausgesch\u00f6pft, um die monatelangen Proteste zu beenden \u2013 deshalb eskaliere nun die Situation, meint Politologe Vedran D\u017eihi\u0107. Am Dienstag fand in Belgrad wieder eine Kundgebung von Studierenden statt, die seit Monaten faire und freie Neuwahlen in Serbien fordern. In den vergangenen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-9749","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-news"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9749"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9749\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9751,"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9749\/revisions\/9751"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.oiip.ac.at\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}