Ein neuer Kalter Krieg?

Gärtner

Policy Paper 30.04.2014

Policy Paper 2/2014 von Heinz Gärtner

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April 2014

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Zusammenfassung:
Autoren aus dem ehemals neokonservativen Lager sowie republikanische Senatoren nahmen die Ereignisse in der Ukraine zum Anlass, US-Präsident Obama wiederum außenpolitische Schwäche vorzuwerfen. Tatsächlich hat Obama aber Erfolge in der Außenpolitik vorzuweisen: zum Beispiel, die Beendigung der Kriege in Afghanistan und Irak, Fortschritte in den Verhandlungen mit dem Iran über sein Nuklearprogramm, ein Abkommen über Chemiewaffen mit Syrien, das neue START-Abkommen über strategische Nuklearwaffen mit Russland, die Vorbereitung der Freihandelsabkommen mit der EU und dem Pazifik.

Hardliner in den USA und in Europa schlagen eine neue Eindämmungspolitik gegenüber Russland nach dem Vorbild im Kalten Krieg vor. Der Weg in einen neuen Kalten Krieg wäre allerdings ungeeignet, eine diplomatische Lösung der Krise in der Ukraine zu finden. Die weltpolitische Situation ist nicht mehr bipolar mit ideologischen Einflusssphären sondern multizentrisch strukturiert. Nur Putin würde von einer bipolaren Weltordnung profitieren. Eine Entspannung der Krise könnte der Vorschlag einer völkerrechtlich garantierten Neutralität der Ukraine bringen. Russland könnte die Option eines EU-Beitrittes der Ukraine akzeptieren, wenn ein NATO-Beitritt ausgeschlossen wird. Rechte von Minderheiten und der Gebrauch der Sprache in der Ukraine und auf der Krim müssten in einem Staatsvertrag geregelt werden. Verschiedene Freihandelsabkommen der Ukraine mit der EU und Russland müssten ausgehandelt werden. Hätten Verhandlungen auf dieser Basis vor der Besetzung der Krim durch russische Sicherheitskräfte begonnen, wäre die Entwicklung vielleicht anders verlaufen.

 

Abstract:

The opposition in the USA uses the annexation of the Crimea by Russia to paint the foreign policy of US-president Obama once again as weak. However, there have been significant foreign policy achievements: for example, ending the wars in Afghanistan and Iraq, progress of the nuclear negotiations with Iran, agreement on chemical weapons with Syria, conclusion of the treaty on strategic nuclear weapons with Russia, initiation of free trade agreements with the EU and the Pacific, and shuttle diplomacy in the Middle East.

Hawks in the USA and Europe suggest a new containment policy towards Russia according to the Cold War model. However, the conditions are different today. The communist-capitalist divide is gone, there are no deep seated ideologies anymore, the world has developed common norms, rules and institutions, emerging powers do not accept rigid spheres of influence. Only some hawks in the West and the Russian president seem to wish the return bipolar structures.

The diplomacy has to ask: What comes next? The principles of the EU’s neighbourhood policy, the promotion of democracy, the rule of law and market-economy are essential for Ukraine. However, a solution without Russia will not be possible, as EU politicians and officials continue to indicate. Diplomacy is not just about talking to each other. There has to be an offer that can save face for Ukraine, the West and Russia. Sanctions will not solve the problem. It becomes somewhat clear that Austria’s model could provide such an offer. Austria is a member of the European Union but not a NATO member. Also, several free trade agreements of the Ukraine have to be compatible.