Jihadistische Netzwerke und die Diaspora

Pisoiu, Themen

Arbeitspapiere 17.10.2018

Arbeitspapier 102 / September 2018

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Zusammenfassung
Aus Österreich sind - im europäischen Vergleich und gemessen an der Einwohnerzahl - überdurchschnittlich viele Foreign Fighter in die Konfliktgebiete nach Syrien und in den Irak ausgereist. Der Radikalisierungsprozess dieser Foreign Fighter verläuft auf der sozio-psychologischen Ebene ähnlich wie der Radikalisierungsprozess bei anderen Formen des Extremismus; ein wesentlicher, begünstigender Faktor ist dabei immer das Vorhandensein sozialer Netzwerke. Aufgrund der Vielfalt möglicher Verbindungen auf der Identitäts- und Affektivebene, scheinen Diasporaverbindungen in diesen Netzwerken auch eine Rolle zu spielen. Diese Erkenntnis sollte jedoch nicht in Risikofaktoren übersetzt, oder zu einer Ursache erklärt werden, da dies nicht nur wenig hilfreich bei der Erklärung des Phänomens ist, sondern auch Communities stigmatisiert. In diesem Arbeitspapier untersuchen wir die Diasporaaspekte von Radikalisierungsprozessen in Österreich, mit besonderem Fokus auf Foreign Fighter. Wir formulieren Hypothesen auf Basis von ersten Erkenntnissen aus Interviews mit Foreign Fightern und Praktikern aus den Bereichen Prävention und Deradikalisierung. Wir zeigen, dass sich die salafistisch-jihadistische Szene in Österreich schon vor Ausbruch des Syrien-Konflikts vernetzte, und Kontakte ins Ausland schon früh eine wichtige Rolle spielten. Außerdem wird auf individuelle Motive von Foreign Fighter aus Diaspora-Communities eingegangen und Besonderheiten aufgezeigt. Schließlich wird dargelegt, wie beendete bzw. andauernde Konflikte in den Herkunftsländern einiger Foreign Fighter aus Österreich diesen Entscheidungsprozess beeinflussten.

Keywords:
Radikalisierung, Diaspora, Jihad, soziale Netzwerke