Polen und Serbien – Über tiefe Spuren der Autokratisierung und die Mühsal der demokratischen Erneuerung
Polen und Serbien – Über tiefe Spuren der Autokratisierung und die Mühsal der demokratischen Erneuerung
Policy Brief von Vedran Džihić und Laura Füsselberger / Dezember 2025
In Kooperation mit der Universität für Weiterbildung Krems – UWK
Polen und Serbien haben in den letzten beiden Jahrzehnten bzw. durchlaufen noch immer im Falle Serbiens eine tiefgreifende Autokratisierung von Staat und Gesellschaft, deren strukturelle Tiefe demokratische Erneuerung nachhaltig erschwert. Der Text analysiert vier zentrale Dimensionen dieser Entwicklung: Rechtsstaatlichkeit, Governance, Medien und Öffentlichkeit sowie Ideologie. In diesen Bereichen sind deutliche Merkmale einer starken De-Demokratisierung und De-Europäisierung zu beobachten gewesen bzw. weiterhin zu beobachten. Polen setzte zwar mit dem Regierungswechsel 2023 erste Schritte zur Re-Demokratisierung, das Ergebnis der Präsidentschaftswahl im Juni 2025 mit dem Sieg des rechtsnationalen Karol Nawrocki macht die strukturellen Grenzen dieses Wandels deutlich. Serbien hingegen befindet sich in einem fortgeschrittenen Stadium der Autokratisierung, nicht zuletzt auch angesichts der repressiven Vorgehensweise des Regimes Vučić gegen die studentischen Proteste, die seit November 2024 anhalten. Die EU erwies sich bislang sowohl im Mitgliedsstaat Polen als auch gegenüber dem Beitrittskandidaten Serbien als nur begrenzt handlungsfähig. Die Analyse macht deutlich: auf längere und substantielle De-Demokratisierung folgt nicht automatisch ein erfolgreicher Re-Demokratisierungsprozess, sondern eher ein langfristiger und durchaus konflikthafter Prozess mit ungewissem Ausgang.
Over the past two decades, Poland and Serbia have undergone, and in Serbia’s case are still undergoing, a profound autocratization of the state and society, the structural depth of which makes democratic renewal difficult in the long term. The text analyzes four central dimensions of this development: the rule of law, governance, media and public sphere, and ideology. In these areas, clear signs of strong de-democratization and de-Europeanization have been observed and continue to be observed. Although Poland took its first steps toward re-democratization with the change of government in 2023, the result of the presidential election in June 2025, with the victory of the right-wing nationalist Karol Nawrocki, highlights the structural limits of this change. Serbia, on the other hand, is at an advanced stage of autocratization, not least in view of the repressive measures taken by the Vučić regime against the student protests that have been ongoing since November 2024. So far, the EU has proven to have only limited capacity to act, both in the member state of Poland and vis-à-vis the accession candidate Serbia. The analysis makes it clear that prolonged and substantial de-democratization is not automatically followed by a successful re-democratization process, but rather by a long-term and highly conflictual process with an uncertain outcome.
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