Zwischen Zugehörigkeit und Ausschluss. Doppelstaatsbürgerschaft und Demokratie in Österreich
Zwischen Zugehörigkeit und Ausschluss. Doppelstaatsbürgerschaft und Demokratie in Österreich
Policy Brief von Vedran Džihić und Theresa Rauch / Juni 2026
In Kooperation mit der Universität für Weiterbildung Krems – UWK
Der vorliegende Policy Brief greift das Thema der Staatsbürgerschaftsgesetzgebung und -praxis in Österreich mit einem besonderen Fokus auf die derzeitige Rechtslage und die Debatten rund um die Doppelstaatsbürgerschaft auf. Sie diskutiert die restriktive österreichische Staatsbürgerschaftspolitik, insbesondere den Umgang mit Doppelstaatsbürgerschaften, im Kontext Österreichs als Einwanderungs- und Migrationsgesellschaft bzw. der Superdiversität in der Gesellschaft. Das zentrale Argument lautet, dass die hohen Hürden für Einbürgerung – etwa lange Aufenthaltsdauer, Einkommensnachweise und die Pflicht zur Aufgabe der bisherigen Staatsbürgerschaft – gesellschaftliche Integration und demokratische Teilhabe erschweren. Besonders betroffen sind Drittstaatsangehörige, die dauerhaft in Österreich leben, jedoch von politischen Rechten ausgeschlossen bleiben. Die stetig wachsende Diskrepanz zwischen Wohn- und Wahlbevölkerung aufgrund des restriktiven Staatsbürgerschaftsgesetzes und den daraus resultierenden geringen Einbürgerungszahlen befeuern ein wachsendes Demokratiedefizit. Dies führt in weiterer Folge zu einer Verzerrung in der politischen Repräsentation der Gesamtbevölkerung.
Mit Blick auf das internationale Umfeld zeigt das Paper, dass Doppelstaatsbürgerschaften international zunehmend akzeptiert sind und in vielen Staaten – wie auch in der Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten – als Ausdruck transnationaler Lebensrealitäten gelten. Im Gegensatz dazu steht die österreichische Praxis, die durchaus als integrationshemmend und demokratiepolitisch bedenklich zu verstehen ist. Dem zugrunde liegt das Fehlen eines breiten und politisch und gesellschaftlich akzeptierten Verständnisses von Transnationalität und multiplen Zugehörigkeiten als Alltagsrealität für migrantische Bevölkerungsgruppen. Der Text plädiert daher für eine Liberalisierung des Staatsbürgerschaftsrechts, die Anerkennung multipler Zugehörigkeiten sowie ein inklusiveres Verständnis von Integration und Demokratie. Eine moderne Staatsbürgerschaftsgesetzgebung und -praxis kann als Wegbereiterin der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Integration fungieren. Abschließend werden rechtliche, administrative und gesellschaftliche Reformmaßnahmen vorgeschlagen, um Österreich besser an die Realität einer superdiversen Gesellschaft anzupassen.
This policy brief examines citizenship legislation and practice in Austria, with a particular focus on the current legal situation and the debates surrounding dual citizenship. It discusses Austria’s restrictive citizenship policy, particularly the treatment of dual citizenship, in the context of Austria as an immigration and migration society and the superdiversity within society. The central argument is that the high barriers to naturalisation – such as a long period of residence, proof of income and the obligation to renounce one’s previous citizenship – hinder social integration and democratic participation. Third-country nationals who live permanently in Austria but remain excluded from political rights are particularly affected. The ever-widening gap between the resident and voting populations, caused by the restrictive citizenship law and the resulting low naturalisation rates, is fuelling a growing democratic deficit. This, in turn, leads to a distortion in the political representation of the population as a whole.
With regard to the international context, the paper demonstrates that dual citizenship is becoming increasingly accepted worldwide and is regarded in many countries – including the majority of EU Member States – as a reflection of transnational realities of life. This stands in contrast to Austrian practice, which can be seen as hindering integration and compromising democratic governance. This stems from the lack of a broad, politically and socially accepted understanding of transnationality and multiple affiliations as an everyday reality for migrant population groups. The text therefore advocates for a liberalisation of citizenship law, the recognition of multiple belongings, and a more inclusive understanding of integration and democracy. Modern citizenship legislation and practice can act as a catalyst for social, political and economic integration. Finally, legal, administrative and social reform measures are proposed to better adapt Austria to the reality of a superdiverse society.
Das Policy Brief kann HIER heruntergeladen werden.
Foto: Österreichische Bundesregierung, österreichischer Pass (2024, data page, Quelle: EdisonTD), Zugriff über Wikimedia Commons, kein Copyright